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Naturschutzgebiet Alzenauer Sande

Lange Zeit galten Sandmagerrasen als unansehnliches, wertloses Ödland. Große Flächen wurden als Siedlungs-, Industrie- oder Gewerbegebiete ausgewiesen. Andere Flächen wurden für landwirtschaftliche Intensivkulturen (z. B. Spargel) genutzt oder aufgeforstet. Schließlich wurden weitere Flächen durch den Sandabbau zerstört.

Alle diese Maßnahmen führten dazu, dass es bayernweit keinen einzigen größeren gesicherten Bestand an Sandmagerrasen, sondern nur noch Reliktflächengibt. In Alzenau bedeckten die Flugsande einmal eine Fläche von 2.500 ha nördlich und südlich der Kahl. Erst 1823 gelang es, die Flugsande mit Kiefern aufzuforsten. Dadurch wurde eine Bedrohung der landwirtschaftlich genutzten Flächen und der Stadt durch die Wanderdünen abgewendet.

 

Ende des 18. Jahrhunderts waren Tier- und Pflanzenarten der Sandmagerrasen vermutlich noch flächendeckend verbreitet. Bis zum Jahr 1989 waren die Sandmagerrasen in Alzenau auf drei winzige Restflächen von zusammen etwa einem Hektar geschrumpft, ein Teil der seltenen Tier- und Pflanzenarten (z. B. Silberscharte und Sandschnecke) war verschwunden.

Auf den Restflächen finden aber noch zahlreiche bedrohte Arten einen Lebensraum. Um das Überleben dieser Arten langfristig zu sichern, wurden zwei Flächen zu Naturdenkmälern erklärt. Gleichzeitig wurde mit Pflegemaßnahmen begonnen, um wieder Ausbreitungsmöglichkeiten für Tiere und Pflanzen zu schaffen.

 

Pflegemaßnahmen

Die Bewohner der Sandmagerrasen benötigen offene, besonnte Sandflächen und sehr mageren Boden. Deshalb wurde zunächst begonnen, nährstoffhaltigen Boden, der sich über den Sanden abgelegt hatte, abzutragen und so wieder geeigneten Lebensraum zu schaffen. Das geschah zum Teil in Handarbeit, wobei auch Vereine und Schulklassen die Arbeiten unterstützten. Auf anderen Flächen konnten Radlader und Bagger eingesetzt werden, um den Oberboden abzuschieben.

Innerhalb des Unterwaldes wurden auf einzelnen Sanddünen auch Kiefern gefällt. Dadurch wurde eine stärkere Sonneneinstrahlung erreicht. Gleichzeitig musste die Nadelstreu entfernt werden, um wieder freie Sandflächen zu erhalten.

 

Vegetation  

Die Vegetation der Sandmagerrasen wird von unterschiedlichen Pflanzengemeinschaften gebildet. Bei den Alzenauer Standorten überwiegt die Silbergrasflur.

Kennart ist das Silbergras (Corynephorus canescens). Dazu kommen Begleitarten wie Berg-Sandrapunzel (Jasione montana), Sand-Thymian (Thymus serpyllum), kleines Filzkraut (Filago minima) und Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis). Außer der Sand-Rapunzel sind alle diese Pflanzen in der „Roten Liste Bayern“ als gefährdet eingestuft.

Weitere typische Besiedler der Magerrasen sind der Frühe Schmielenhafter (Airapraecox, stark gefährdet), die Sandgrasnelke (Armeria maritima, gefährdet), der Feld-Mannstreu (Eryngium campestre, gefährdet), der Vogelfuß (Ornithopus perpusillus, gefährdet).

Alle diese Pflanzen können auf Dauer nur existieren, wenn ihnen nährstoffarme, lockere Sandböden zur Verfügung stehen. Das gleiche gilt für die Tierwelt der Magerrasen.

 

Tierwelt der Sandrasen

Die Sandrasen bieten zahlreichen wärmeliebenden Arten einen Lebensraum. Dabei handelt es sich überwiegend um Insekten- und Spinnenarten. Wirbeltiere sind dagegen weniger häufig als spezielle Sandbewohner anzutreffen. Drei Vogelarten sind auf Sandgebiete angewiesen. Dabei handelt es sich um den Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus, vom Aussterben bedroht), den Brachpieper (Anthus campestris, vom Aussterben bedroht) und die Heidelerche (Lullula arborea, stark gefährdet). Alle drei Arten konnten in Alzenau nachgewiesen werden.
Häufig ist die Zauneidechse (Lacerta agilis) auf den Sandflächen anzutreffen. Die Kreuzkröte (Bufo calamita, gefährdet) besiedelt ebenfalls Sandflächen mit schütter Vegetation.

Die blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens, stark gefährdet) benötigt vegetationsfreie Sandflächen, um überleben zu können.

Sandbienen (Andrenaspec.) graben ihre Brutröhren in den lockeren Sand. Diese Arten benötigen ein blütenreiches Umfeld aus Ruderalfluren, Wiesen oder Weidengebüschen als Nahrungsquelle.

Die Kreiselwespe (Bembix rostrata, stark gefährdet) betreut ihre Brut in Röhren die sie in den Sand baut. Die Larven werden mit Schwebfliegen versorgt, bis sie sich verpuppen.

Häufig findet man die Trichter der Ameisenlöwen an Baumstümpfen oder an anderen geschützten Stellen. Am Grunde der Trichter lauert das Raubinsekt auf in den Trichter abrutschende andere Insekten.

Das ausgewachsene Insekt, die Ameisenjungfer, ist selten zu beobachten. In Alzenau wurden zwei Arten gefunden (Euroleon nostras, Mymeleon formicarius, beide vom Aussterben bedroht).

 

Der Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida) ist nur in Gebieten mit hohen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung vertreten. Nur dort kann sich der schnell laufende Räuber voll entfalten.

 

Erfolge der Pflegemaßnahmen

Erste Untersuchungen der Universität Marburg haben gezeigt, dass neu freigelegte Sandflächen rasch von den typischen Arten der Sandmagerrasen angenommen werden.

Zahlreiche Tierarten (Sandlaufkäfer, Ödlandschrecke, Sandbiene) haben die neugeschaffenen Biotope rasch besiedelt.

 

Pufferzone

Landwirte, die die Felder in der Umgebung der Sanddünen extensiv bewirtschaften, tragen zum Erhalt der Tier und Pflanzenarten bei. Seif fünf Jahren beteiligen sie sich am „Pufferzonenprogramm“, d. h. sie verzichten auf den Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmittel jeglicher Art. Teilweise werden die Felder weiter bewirtschaftet, teilweise bleiben sie als Brache liegen. Für diese naturverträgliche Bewirtschaftung erhalten die Landwirte ein Entgeld. Im Jahre 1994 wurden 44 ha extensiv bewirtschaftet.

 

 

 

Kontakt

Umweltamt Alzenau
Brentanostraße 3
63755 Alzenau (Kernstadt)

Telefon06023 502-900
Recyclinghof
(Zufahrt über Robert-Bosch-Straße)
Brentanostr. 4
63755 Alzenau (Kernstadt)