
Baugeschichte der Kirche
Von der alten Alzenauer Kirche wissen wir wenig. Sie stand oberhalb der Talsenke, in der die Stadt sich ausbreitet, etwa in der Gegend des heutigen Leichenhauses. Eine Landkartendarstellung von 1592 zeigt die von Bäumen umstandene Kirche auf der Anhöhe gegenüber dem Schloss, aber die schlichte Darstellung lässt kaum Einzelheiten erkennen.
1754 erfahren wir, dass die Kirche baufällig und ein Neubau bereits bewilligt sei. Aber wegen eines Streits über den künftigen Standort verzögern sich die Planungen, denn die Bewohner der umliegenden Filialgemeinden wünschen die neue Kirche, für sie bequem erreichbar, am alten Standort, während der mainzische Amtskeller Krieg den Bau im Ort, unterhalb des Schlosses, errichtet sehen möchte. Während 1756 der Standortstreit in Bittschriften und Gegendarstellungen seinen Höhepunkt erreicht, wird am 1. Dezember dieses Jahres beschlossen, die Kirche jedenfalls nach dem Entwurf des Baumeisters Johann Martin Schmidt aus Amorbach zu bauen. Schon zwei Monate später entscheidet eine Sachverständigenkommission unter Leitung des Seligenstadter Abtes als eigentlichem Pfarrherrn zugunsten des vom Amtskeller gewünschten Standorts (2. 2. 1757). Zwei Tage darauf wird der Bauvertrag mit dem Aschaffenburger Unternehmer Franz Bockorny geschlossen, am 24. Mai im Beisein des Seligenstadter Abts die Grundsteinlegung gefeiert und, nach Streitigkeiten über die Ausführung der Arbeiten am Chor durch Seligenstadter Klosterhandwerker, schon 1758 durch den Mainzer Weihbischof Christoph Nebel die Weihe vorgenommen.
Freilich war die Kirche noch nicht vollendet. 1759 wird um die Überlassung von Bauholz und Fensterscheiben gebeten, der Bauunternehmer Bockorny ersucht um den Auftrag für die Wölbung, und noch im August 1759 waren die Kapitelle nicht stuckiert und die Kirche nicht getüncht. Nachdem Versuche (oder nur Wünsche?), den Freskomaler Appiani für eine Ausmalung zu gewinnen, fehlgeschlagen waren, dürfte der Bau 1760 fertiggestellt worden sein. Die alte Ausstattung entstand größtenteils in den beiden folgenden Jahrzehnten. 1859 wurden Altäre und Kanzel überfasst, während die Renovierung des Innenraums erst um die Jahrhundertwende erfolgte. Die Marmorierungen von 1859 nahm man 1949 wieder ab und fasste die Ausstattung in Anlehnung an den ursprünglichen Zustand neu. 1957 wurden Chorstufen, Kommunionbank und Fenster erneuert, 1971 die Kirche unter Wiederherstellung der ursprünglichen Raumfarbigkeit neu getüncht und schließlich 1973 die neue liturgische Ausstattung angeschafft.
Kunstgeschichtliche Würdigung
Die Alzenauer St. Justinuskirche ist in Architektur und Ausstattung - ausgenommen die beiden Seitenaltäre - ein typisches Produkt des Aschaffenburger Raumes, der seit dem Spätmittelalter von Mainz bestimmt wird. Trotz dieser generellen Abhängigkeit entwickelt sich im Mainzer »Oberstift« eine eigene Kunstrichtung, die im 18. Jh. etwa in den Bauten des Architekten Johann Martin Schmidt oder in der eigentümlichen Aschaffenburger Gruppe von drei Baldachinaltären zu fassen ist. Mit den beiden Seitenaltären Johann Peter Wagners werden kunsträumliche Grenzen und regionale Qualitätsnormen überschritten und der Anschluss an das hohe süddeutsche Kunstniveau des späteren 18. Jh. erreicht. Was wir an 'mainzischer' Baukunst und Dekorationskultur wenige Jahre zuvor in Amorbach finden, ist in Alzenau ländlich vereinfacht, aber doch dem Dekorum einer kleineren Amtsstadt gemäß.
Die Klais-Orgel
Im Jahre 1993 wurde die Orgel von Orgelbau Johannes Klais, Bonn, erbaut. Das Instrument hat 37 Register. Die Disposition ist im wesentlichen romantisch, in Anlehnung an das Klangideal der französischen Orgel Aristide Cavaillé-Colls. Ebenso lassen sich auf der Orgel Werke barocker Meister stilgerecht interpretieren. Ihre eigentliche Klangschönheit entfaltet sich vor allem bei der Musik der Hoch- und Spätromantik und bei Werken zeitgenössischer Komponisten.
Im mainfränkischen Raum ist das Instrument eines der interessantesten. Für Interessierte liegt eine detaillierte Festschrift zur Orgelweihe am Schriftenstand der Kirche bereit.
In den vergangenen Jahren wurden - neben zahlreichen Chor- und Kammermusikaufführungen - zahlreiche Orgelabende angeboten, die zum Teil von namhaften Organisten gespielt wurden. Das kirchenmusikalische Jahresprogramm erhalten Sie auch gedruckt am Schriftenstand oder im Pfarrbüro.
weitere Infos unter www.st-justinus-alzenau.de
Kirchenbesichtigung
Franz Emge, Tel.: 2552
Christian Strätz, Tel.: 2544 oder 2941
Franz Emge, Tel.: 2552
Christian Strätz, Tel.: 2544 oder 2941
Quelle: Jürgen Julier in dem von ihm bearbeiteten Kirchenführer, der am Schriftenstand der Kirche und im Pfarrbüro erhältlich ist:








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