Neujahrsansprache von Bürgermeister Stephan Noll
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Prosit Neujahr! Herzlich willkommen zum Neujahrsempfang der Stadt Alzenau. Schön, dass Sie alle hier sind. Mir ist durchaus bewusst, dass viele von Ihnen am Neujahrstag auch etwas anderes tun könnten. Umso mehr freut mich der große Zuspruch zu diesem traditionellen Empfang, den Ihr zahlreiches Erscheinen hier in der Prischoßhalle zum Ausdruck bringt. Das gibt mir als Bürgermeister die Chance, im Namen des Stadtrates, der Stadtverwaltung und aller Beschäftigten in den vielen Einrichtungen der Stadt Alzenau Ihnen und ihren Liebsten von Herzen ein gutes, neues Jahr 2025 zu wünschen, verbunden mit den besten Wünschen, insbesondere natürlich Glück, Gesundheit und Zufriedenheit.
Vielen Dank für die Geduld beim Defilee und für die vielen freundlichen Worte, die Sie mir bereits jetzt mitgegeben haben.
Sie alle sind mir herzlich willkommen, und das meine ich von ganzem Herzen: Denn ob Groß oder Klein, ob Jung oder Alt, ob neu oder schon ewig hier, ob Einheimischer oder Gast - unser Neujahrsempfang soll für alle sein. Denn Sie und Ihr alle seid Alzenau und dieser Empfang am ersten Tag im neuen Jahr soll unseren Zusammenhalt bestärken und das Verbindende zwischen uns bekräftigen und uns später Zeit geben ins Gespräch und in den Austausch zu kommen, getreu dem Zitat von Margot Friedländer, mit dem ich zum heutigen Neujahrsempfang eingeladen habe: „Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet“
Und diese Verbindung zwischen Ihnen und mir, aber auch zu den Menschen die direkt rechts, links, vorn und hinter Ihnen stehen kann so unterschiedlich und facettenreich sein, wie das Leben nur sein kann. Oft ist die Verbindung, die uns umgibt, klar und offensichtlich, aber teilweise liegt sie noch im Unklaren oder will sogar noch entdeckt werden.
Ein bisschen will ich uns allen zumindest hier in der Halle die Verbindung zu besonderen Gästen direkt offenlegen, wenn ich die viele Ehrengäste des heutigen Empfangs begrüße und es mich freut, dass so viele von Ihnen wieder dieser Einladung gefolgt sind. Schön, dass Ihr und Sie alle da seid!
„Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ Zitat von Wilhelm von Humboldt.
Diesen Wert was uns alles in Alzenau untereinander und mit der Welt verbindet, haben Sie sicherlich im vergangenen Jahr genauso gespürt und erlebt so wie ich in meiner Funktion als Bürgermeister. Es gäbe so viel zu berichten und zu betonen, welche besonderen Momente und Aktionen das Jahr 2024 mit sich gebracht hat. Aber ich kann nur einige, wenige Momente nennen, kann aber versichern, dass wir später beim Gespräch und Austausch hier an der Leinwand wieder viele Bilder und Impressionen aus dem vergangenen Jahr sehen werden, die die Vielfalt, Schönheit und Lebensqualität der Stadt Alzenau uns nochmals vor Augen führen werden und zeigen, welche besonderen Leistungen die Menschen in der Stadt Alzenau erbringen.
Das Jahr 2024 stand ganz im Zeichen unserer Verbindung der Bürgerinnen und Bürger zu unserer Stadt und unserem Staat: nämlich im Zeichen einer aktiven Demokratie und des 75. Jubiläums der Grundrechte. Wir haben die Demokratie und was sie ausmacht in den Fokus unseres Handels gerückt. Bei der Auftakt-Demo im März sind wir friedlich und geschlossen zusammen eingestanden für Freiheit, Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit und haben uns entschieden ausgesprochen gegen jegliche Form von Rassismus, Terrorismus, Extremismus und Antisemitismus und jeglicher Form von Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass.
Demokratie lebt von geübter und gelebter „Demokratie vor Ort“, von Menschen, die nach dem Grundgesetz handeln und für die Freiheit, Würde und Frieden Basis ihres Handels sind. Diese Regeln im Alltag zu verwirklichen, ist eine gemeinsame Sache!
Diese Ideale bewusst zu machen und zu stärken war unter anderem auch die Idee des Kunstwerks BeeDabei, welches wir am 23. Mai auf dem Alzenauer Marktplatz aus zahlreichen gelben Geli-Blumenkästen installiert haben und welches anschließend nun in vielen Alzenauer Haushalten weiterlebt. Einerseits als äußeres Zeichen der Demokratie, aber durch die bienenfreundliche Bepflanzung auch einen Beitrag zum Arten- und Naturschutz leistet. Doppelte Power für die Demokratie, in der wir gut und gerne leben.
Gut und gerne leben wir alle hier in Alzenau, wo zum Stichtag 23.12.2024 18.904 Menschen leben. 9.564 Frauen und 9.338 Männer. Von den 18.904 Menschen sind 16.830 deutsche Staatsbürger (hiervon 1.099 mit doppelter Staatsbürgerschaft) und 2.074 Menschen sind Ausländer. Wobei Ausländer ein dehnbarer Begriff ist, denn von den 2.074 Ausländern, haben 1.120 eine europäische Staatsbürgerschaft und entsprechen so dem Ideal eines offenen, europäischen Binnenmarktes, in dem wir in Vielfalt geeint sind und überall in der EU wohnen, arbeiten und leben dürfen. Nur 954 Personen in Alzenau sind EU-Ausländer. Und was sind die TOP fünf Herkunftsländer dieser Alzenauer Mitbürgerinnen und Mitbürger? Ich kann es Ihnen sagen in absteigender Reihenfolge: Türkei, Ukraine, Afghanistan, Russland, USA.
Was will ich mit diesen Zahlen zeigen?
Dass Alzenau eine vielfältige Stadt ist, in dem exakt 100 Nationen miteinander leben und wir gemeinsam die Stadt vorantreiben. Am Tag der offenen Gesellschaft am 15. Juni haben wir zusammen auf dem Marktplatz gefrühstückt und viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte haben sich an dem Tag nicht nur beteiligt und sind gekommen, sondern haben sich auch sehr ernst und sichtbar gefühlt.
Die Zahlen zeigen aber auch, dass weiterhin Krieg in Europa herrscht. Der russische Überfall auf die Ukraine jährt sich nun bald zum dritten Mal und seither ist Krieg in der Ukraine. Unsere Solidarität mit der Ukraine ist ungebrochen und wir stehen zum Selbstverteidigungsrecht der Ukraine und unterstützen das Land in seinem Kampf gegen Putin und seine Schergen.
Daher haben auch weiterhin Ukrainer Schutz gefunden in unserer Stadt – auch bei einer weit geringeren Zahl im Vergleich zu 2022 – und weiterhin engagieren sich Menschen ehrenamtlich bei der Betreuung und Unterstützung der Menschen hier vor Ort, denen ich Danke sagen will für ihren Einsatz und Tun.
Mein besonderer Dank gilt aber zwei Kollegen der Stadtwerke, Herrn Michael Gollas und Helmut Stenger, die Mitte November ein Multifunktionsgerät sowie einen LKW Kipper mit Hebekran in die mit uns befreundete ukrainische Stadt Kamjanka-Buska gefahren haben, um Hilfsgüter im Wert von ca. 100.000 Euro zu übergeben, welche die Stadt von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit durch ein Bundesförderprogramm zur Verfügung gestellt bekommen hat, um beim Wiederaufbau und generell die Ukraine zu unterstützen. Beide sind versierte Nutzfahrzeugfahrer, sodass sie sich freiwillig gemeldet haben in die Ukraine hineinzufahren. Auch wenn Kamjanka-Buska im ruhigeren Westen der Ukraine bei Lviv liegt, so sind sie dennoch in einem Kriegsgebiet unterwegs gewesen und es ist nicht selbstverständlich, dass sie für diesen Alzenauer Dienst unterwegs waren.
Auf dem Foto ist zu sehen, wie die Geräte meinem Bürgermeisterkollege Oleh Omelyan übergeben werden und mit der Alzenauer Fahne und Wappen ein Zeichen der Verbundenheit zwischen unseren Kommunen auch optisch zu erkennen ist.
Auch das ist Alzenau: sei es Pfaffstätten, Thaon-les-Voges, Sint Oedenrode oder Kamjanka-Buska – Alzenau pflegt die Kontakte zu seinen europäischen Partnern und Freunden und leistet somit einen aktiven europäischen Beitrag zur Verständigung, der Unterstützung und des Miteinanders und das hier im Herzen von Europa.
Vielen Dank an dieser Stelle meinem Bürgermeisterkollegen aus Thaon-les-Voges Cedric Haxaire, der uns im Mai letzten Jahres mit einer großen Delegation in unsere französische Alzenauer Partnerstadt eingeladen hat und wir dort nicht nur drei Tage deutsch-französische Verbundenheit gefeiert haben, sondern er uns auch mit der Einweihung des Place d’Alzenau überrascht hat. Ja, das alles ist europäische Verbundenheit ganz im Geiste von „Liberté, égalité, fraternité“.
Diese Verbundenheit mit Menschen konnte man oft auch bei den vielen Geburtstags- und Ehejubiläen im vergangenen Jahr spüren und beobachten, bei denen nicht nur der zweite und dritte Bürgermeister und ich oft zugegen sind, sondern neben der Familie ganz viele Freunde, Nachbarn, Bekannte und gute Menschen an seiner Seite.
Herzlichen Glückwunsch den Jubilaren des vergangenen Jahres zu:
79x 25 Jahre (silber)
77x 40 Jahre (rubin)
54x 50 Jahre (golden)
29x 60 Jahre (diamanten)
10x 65 Jahre (eisern)
1x 70 Jahre (Gnaden)
Ehen sind und bleiben besondere Verbindungen zwischen den Menschen und es freut mich immer sehr, viel von den Paaren und ihren Lebensgeschichten zu lernen und den ein oder anderen Tipp und Trick an neue Ehepaare weitergeben zu dürfen. Im vergangenen Jahr waren es 139 Ehen, die im Standesamt Alzenau geschlossen wurden, zwei Ehen weniger als Kinder auf die Welt kamen. Denn 141 Geburten konnten im Melderegister eingetragen werden.
Verbundenheit konnte ich im vergangenen Jahr ganz besonders spüren, wenn ich im Namen der Stadt nicht nur engagierte Menschen auszeichnen durfte, sondern bei den Jubiläen und Feierlichkeiten von Vereinen, Institutionen und Einrichtungen dabei war.
25 Jahre IKT Kunterbunt zeigen, dass sich Alzenau schon lange auf den Weg gemacht hat eine inklusive Gesellschaft zu leben. Die Kinder von damals, sind jetzt die Spielerinnen und Spieler oder Unterstützer der dritten Fußballmannschaft des FC Bayern Alzenau und es freut mich sehr, dass sich nun das inklusive Sportzentrum Alzenau/Rhein-Main in Gründung befindet, um über den Sport noch mehr Menschen miteinander zu verbinden und Barrieren und Vorurteile abzubauen.
Talente fördern und seine Fähigkeiten auszubauen gilt es auch bei all den Kursen, die unsere Alzenauer Volkshochschule anbietet und die im abgelaufenen Jahr im Oktober ihr 50. Jubiläum feiern durfte. Und es ist kaum zu glauben: auch hier gibt es Kursleiterinnen und Kursleiter, die schon seit 50 Jahren ihre Kursteilnehmer fördern und motivieren und Verantwortung übernehmen. Ihnen sei stellvertretend für alle gedankt, die wie in den zahlreichen Alzenauer Vereinen und Organisationen als Vorstände, Gruppenleiter, Übungsleiter oder andere Überzeugungstäter ihren Dienst für die Gesellschaft leisten und Alzenau zu einer lebendigen Stadt machen.
Und so können wir uns freuen, dass auch in 2025 wieder Vereine ein Jubiläum feiern können. 20 Jahre Modellsportgruppe Alzenau, 40 Jahre Deutsch-Philippinischer Freundeskreis, 50 Jahre Kolping-Kapelle Alzenau, 70 Jahre Tennis-Club Rot-Gold Alzenau, 120 Jahre Obst- und Gartenbauverein Albstadt, 135 Jahre TSV Alzenau, um nur einige zu nennen. 70-jähriges Jubiläum feiert dieses Jahr der Musikverein Hörstein und umso mehr freut es mich, liebe Musikerfreunde, dass ihr heute diesen Neujahrsempfang musikalisch umrahmt und mitgestaltet. Vielen Dank, für euren Einsatz heute und vielen Dank für die persönliche Verbundenheit und die vielen musikalischen Monumente, die nicht nur ich mit Euch bereits erleben durfte.
Aus Hörstein kommen auch unser Trachtenverein „D’Grenzlander“, die heute nicht nur in wunderbarer Tracht anwesend sind, sondern dieses Jahr ihr 100+5 Vereinsjubiläum feiern werden. Herzliche Einladung am 28. und 29. Juni in die Räuschberghalle zum Festwochenende, bei dem uns nicht nur unser Trachtenverein sein Tun und Können zeigen, sondern einiges geboten wird. Und am 24. August feiern wir mit dem Abt des Stiftes Heiligenkreuz und unseren Freunden aus Pfaffstätten 400-jähriges Pestversprechen in Hörstein.
Aber auch die Stadt und wir alle haben dieses Jahr mehrere Gründe zu feiern und sicherlich haben Sie schon alle beim Einlass in die Halle und an unserer Dekoration gesehen, was es zu erinnern und zu Feiern gilt: nämlich 10 Jahre Gartenschaustadt Alzenau!
2015 fand in Alzenau die Natur in Alzenau statt und hat Alzenau nicht nur städtebaulich weiterentwickelt, sondern mit dem Generationenpark und dem Energiepark sind dauerhaft zwei grüne und lebendige Parkanlagen mitten in der Stadt geschaffen worden, die Treffpunkt und lebendiges Herz unserer Stadt wurden. Wir erlebten das Alzenauer Sommermärchen bei herrlichem Wetter von Mai bis August 2015 und können uns sicherlich noch gut an die vielen Veranstaltungen und Begegnungen auf dem Gartenschaugelände erinnern.
Diese schönen Erinnerungen und Momente möchten wir in diesem Jahr wieder aufblühen lassen, wenn die Stadt Alzenau mit dem Förderkreis Gartenschau, den Winzern, dem Pächter des Biergartens und weiteren Partnern ein Stück des Sommermärchens 2015 wieder nach Alzenau bringen will. Freuen Sie sich auf eine Bilderausstellung „10 Jahre Gartenschaustadt Alzenau“, gesellige Nachmittage und Abende am Winzerpavillion, auf eine Kulturreihe „Sommer im Park“, das Sparkassen-Familienfest ganz im Zeichen der damaligen Gartenschau und wenn es klappt, findet wieder ein OpenAir-Kino anlässlich des Jubiläums in Alzenau statt.
Pünktlich zum Jubiläum wird es auch einen Erinnerungsband zur Gartenschau geben und die ein oder andere Überraschung haben wir noch geplant, die noch nicht verraten wird. Aber so ein Jubiläum feiert man nicht allein, sondern nur zusammen. Von daher liebe Alzenauerinnen und Alzenauer: Packen sie mit an und bepflanzen Sie ihren Vorgarten, ihren Garten, ihren Blumenkasten oder in Absprache mit dem städtischen Umweltamt die ein oder andere Pflanzinsel oder Baumscheibe ganz im Zeichen der farbenfrohen und bunten Gartenschau und lassen Sie uns zusammen Alzenau aufblühen.
Und wenn der Herbst kommt und die Blumen verblühen, dann wird es in Alzenau nicht trist und traurig, sondern dann wartet das 50. Jubiläum der Fränkischen Musiktage auf uns. Gegründet von Friedel Ritter um die neue Stadt Alzenau nach der Gebietsreform auch kulturell zu vereinen, findet alljährlich das Festival der Jugend in Alzenau statt. Nationale und internationale Musikerinnen und Musiker werden wieder in Alzenau gastieren und das Publikum bei hochkarätigen Konzerten begeistern. Freuen Sie sich mit mir auf das Jubliäumsprogramm, welches uns dieses Jahr unser künstlerischer Leiter Gerhard Jenemann mit Team präsentieren wird.
2025 wird ein ereignisreiches Jahr und so viel liegt noch vor uns. Aber gemeinsam können wir vieles erreichen.
Auch im Stadtrat werden wir in diesem Jahr weiter daran arbeiten, dass unsere Stadt sich weiterentwickeln wird und zukunftsfest bleibt. Große Investitionen in die Bildungslandschaft wurden 2024 bereits abgeschlossen (Erweiterungsbau Grundschule Michelbach, Neubau Kita Sonnenland), weitere Großprojekte sind noch am Laufen (Erweiterungsbau Feuerwehr Michelbach-Kälberau, Sanierung Gunkelsrainstraße, Neubau Faulturm und Sanierung Kläranlage). Auch wenn ich stolz bin, dass die Stadt Alzenau zurzeit viel Geld in ihre kommunalen Pflichtaufgaben investiert, so werden wir in diesem Jahr den Gürtel enger schnallen müssen.
Meine Damen und Herren, ja wir tun viel. Doch es zeichnet sich ab, dass wir als Kommune in den nächsten Jahren längst nicht mehr in dem Umfang werden investieren können, wie dies in den vergangenen Jahren möglich war. Auch wir als Stadt Alzenau müssen Prioritäten setzen. Manches geht jetzt möglicherweise überhaupt nicht oder eben nur eine Nummer kleiner. Ich möchte aber deutlich klarmachen: Wichtige Themen, die uns alle und die Generationen nach uns angehen, dürfen darunter nicht leiden! Mein Leitspruch und meine Motivation ist es, dass wir heute für die Lebensqualität für die Generation von übermorgen arbeiten und das wird mich bei meinen Entscheidungen leiten und das wird auch den Stadtrat beschäftigen.
Das was wichtig und richtig ist, wird uns alle auch im Februar beschäftigen, wenn wir zur Bundestagswahl aufgerufen sind und mitentscheiden dürfen, wer künftig unser Land in Verantwortung leiten und lenken wird. Ich wünsche mir einen fairen und konstruktiven Wahlkampf mit guten Ideen und Ansätzen für unser Land und die Weitsicht der künftig gewählten Entscheidungsträger, dass die Kommunen nicht das verhungernde letzte Glied sein können, auf die mehr und mehr Aufgaben abgewälzt werden und deren finanzieller Spielraum durch Gesetzgebung von Land und Bund zusehends bei immer größeren Sozial- und Transferleistungen weiter und weiter beschnitten wird. Es kann und darf nicht sein, dass die kommunale Ebene, die am stärksten und engsten für die Bürgerinnen und Bürger da ist in ihrem Gestaltungsspielraum so eingeengt wird, dass man die schönen, die lebenswerten Dinge wegsparen muss. Es braucht eine Aufgabenkritik in Bund und Land, sonst riskieren wir die Akzeptanz politischer Entscheidungen und der kommunalen Selbstverwaltung und treiben Menschen denjenigen zu, die unsere Demokratie attackieren und einfache Lösungen auf komplexe Sachverhalte versprechen, aber diese niemals einhalten noch Verantwortung übernehmen.
Wir wollen 2025 nutzen, um in Alzenau weiterhin bedarfsgerecht die Kinderbetreuung in der Stadt Alzenau zu sichern und den Ganztagesanspruch im Grundschulalter ab 2026 auch mit weiteren baulichen Weichenstellungen umzusetzen.
Aber zu den städtebaulichen Weichenstellungen zählt auch die Weiterarbeit am Ortsentwicklungsplan, damit wir auch künftig Flächen für Kinder, Familien, Azubis, Studierende, Erwachsene und Senioren, aber auch für Gewerbe und Industrie anbieten können. Denn entscheidend für eine gute Zukunft und Wohlstand in der Stadt ist auch die wirtschaftliche und räumliche Entwicklung der Stadt.
Daher ist es richtig und wichtig und bedarf den Einsatz von uns allen, dass mit der Umsiedelung der Wellpappe ins Industriegebiet Nord und dem weiteren Baufortschritt dort, uns nun in der Innenstadt eine Blaupause für eine zukunftsgerichtete Quartiersentwicklung gegeben ist, die es zu nutzen gilt um dort verschiedene Funktionen für unser Alzenau erreichen zu können. Ich freue mich schon auf den Wettbewerb in diesem Jahr und die Ideendiskussion von Ihnen. Doch nicht nur dort wird es eine Entwicklung geben. Auch die Ziegelei Zeller bzw. das Unternehmen JUWÖ Poroton planen und arbeiten an der Fortentwicklung ihres Unternehmensverbundes in Deutschland. Im Stadtrat gilt es zu beraten und zu entscheiden, welche Zukunftsperspektive und Entwicklungsmöglichkeit diesem stadtnahen Gelände zuteil kommen wird und das im Einklang mit den weiteren strategischen Planungen für die gesamte Stadt Alzenau.
Ob und bei welchen städtischen Bauprojekten im kommenden Jahr die Bagger rollen werden, will ich an dieser Stelle nicht den Haushaltsberatungen für 2025 vorwegentnehmen, da es bei den investiven Projekten noch zu priorisieren gilt, aber in der Kernstadt von Alzenau dürfen sich alle auf die Glasfaserverlegungen der GlasfaserPlus freuen, auch wenn hierfür zeitweise Gehwege und Straßen gesperrt werden müssen. Aber auch diese Investition macht unsere Stadt zukunftsfest, genauso wie der geförderte Ausbau in Albstadt und Michelbach, der möglicherweise auch dieses Jahr anlaufen könnte, spätestens Ende 2026 umgesetzt sein muss. Wie es mit den verbleibenden Anschlüssen in Alzenau in Punkt Glasfaser weitergehen wird, zeigt sich dann zur Mitte des Jahres, wenn die Informations- und Bündelungsphase von Leonet abgeschlossen sein wird. Aber Sie sehen, wir werden alle bald mit Glasfaser miteinander verbunden sein.
Noch stärker verbunden sein werden wir künftig auch mit unseren hessischen Nachbarkommunen Freigericht und Rodenbach. Eigentlich war die Botschaft als Überraschung für den heutigen Neujahrstag geplant, aber die KVG Main-Kinzig war mit ihrer Pressemitteilung schneller, sodass es am Samstag bereits schon in der Zeitung stand. Demnächst wird es den ersten On-Demand-Verkehr im Landkreis Aschaffenburg direkt bei uns in der Stadt Alzenau geben, genauer gesagt in unserem nördlichsten Stadtteil Albstadt, wenn dort künftig Carlos halten wird. Sie kennen Carlos nicht? Na, dann kommt der Service wie gerufen, denn per App kann der Carlos-Shuttle bestellt werden und ähnlich wie bei einem Anruf-Sammel-Taxi befördert Carlos nun künftig die Fahrgäste zwischen Freigericht und Rodenbach und nun auch mit Anbindung in Albstadt, und das ohne festen Fahrplan und Linienweg.
Durch die Anbindung an unseren City-Bus ergibt sich hierdurch eine erweiterte Mobilität für alle ÖPNV-Nutzer in der Stadt Alzenau und am bayerischen Untermain. Und eins bringt Carlos auch mit sich: Es vertieft und beflügelt womöglich zusätzlich unsere bayerisch-hessische Freundschaft, die wir seit Jahrhunderten nicht nur als ehemaliges Freigericht, sondern auch in verschiedenen grenzübergreifenden Projekten jetzt schon intensiv pflegen.
„Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet“
Ja, wenn man bewusst hinschaut, stellt man doch schnell fest was uns alle mit der Stadt, mit seinen Menschen, seinen Institutionen, den Unternehmen und darüber hinaus verbindet.
Und da gäbe es noch so viel mehr zu entdecken, neben dem, was ich in meiner Rede bisher alles genannt habe: einer der größten Waldbesitzer Bayerns, die Stadt im Grünen, Kammtrails, bundesweit beste Bibliothek in kleinen Kommunen und Regionen, musikbegeisterte Grundschule, Weinort, Genussregion, Fair Trade Stadt, Wirtschaftsstandort, Fraunhofer IWKS, Technologietransferzentrum Nachhaltige Energien, Solarstadt, Erneuerbare Energien, Wasserstoff, jüdisches Leben, Erinnerungskultur, Hospizarbeit und und und
Dass alles verbindet uns, dass alles macht uns stark, dass alles macht uns aus, dass alles ist Alzenau. Und natürlich möchte ich den heutigen Empfang dafür nutzen, diese sinnstiftende Klammer der Verbundenheit, der Vielfalt und des Miteinanders unserer schönen Stadt Alzenau uns allen nochmals aufzuzeigen. Diese Werte spiegeln sich bereits in unserem Stadtwappen wider und werden künftig in unserem neuen Logo noch stärker zum Ausdruck kommen.
Film ab
Wir alle sind Alzenau und beweisen täglich, dass wir gemeinsam stark sind. Es begeistert mich immer wieder, wie viele Alzenauerinnen und Alzenauer sich so wunderbar für ihre Stadt einsetzen und andere Menschen mit großem Elan unterstützen – im Ehrenamt, im Verein, im Beruf. Ich möchte bei dieser Gelegenheit ein großes Dankeschön an unsere Stadtgesellschaft aussprechen, dafür, dass sie sich für Alzenau einbringen und einsetzen. Dieses Einstehen für andere brauchen wir auch weiterhin. Die Herausforderungen werden 2025 nicht kleiner.
Lassen Sie uns das neue Jahr als Chance begreifen, um noch stärker, noch selbstbewusster für das Verbindende in unserer Stadt einzustehen und gemeinsam an einer lebendigen, nachhaltigen Zukunft in Frieden und Freiheit zu arbeiten und den Menschen zeigen für was alles Alzenau steht.
Vielen Dank allen vor und hinter den Kulissen für das Gelingen dieses Empfangs. Vielen Dank für das Organisieren, Planen, Aufbauen, Dekorieren, Ausschenken und auch Abbauen für den heutigen Tag. Vielen Dank dem Musikverein Hörstein für die musikalische Umrahmung des Empfangs. Allen Beteiligten ein Vergelt’s Gott und vielen Dank und den Applaus.
Wollen wir nun zusammen diesen Neujahrstag begehen, uns austauschen und gegenseitig auf das neue Jahr einstimmen.
Ich wünsche Ihnen und allen Alzenauerinnen und Alzenauern ein erfolgreiches, gesundes, glückliches und friedliches Jahr 2025.
