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Neujahrsansprache von Bürgermeister Stephan Noll

1.1.2026 - Es gilt das gesprochene Wort.

Begrüßung & historischer Einstieg

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Prosit Neujahr! Ich wünsche Ihnen und Ihren Liebsten von Herzen ein gutes, gesundes und glückliches Jahr 2026. Schön, dass Sie heute hier sind – am ersten Tag des neuen Jahres, in unserer festlich geschmückten Prischoßhalle, die seit Jahrzehnten ein Ort der Begegnung, des Austauschs und des Miteinanders ist.

Dass Sie so zahlreich erschienen sind, erfüllt mich mit großer Freude. Denn ein Neujahrsempfang ist mehr als ein Termin im Kalender. Er ist ein Moment des Innehaltens, des Rückblicks und des gemeinsamen Aufbruchs. Und er ist ein Zeichen dafür, dass wir in Alzenau zusammenstehen – über Generationen, Herkunft, Beruf und Lebenswege hinweg.

Ich begrüße alle Bürgerinnen und Bürger, alle Vertreterinnen und Vertreter der Vereine, der Kirchen, der Schulen und Kitas, der Wirtschaft, der Kultur, der Rettungsdienste, der Verwaltung und der Politik. Und natürlich heiße ich auch unsere Ehrengäste herzlich willkommen.

Schön, dass Sie alle da sind!

Historischer Auftakt – 75 Jahre neues Stadtrecht

Wenn wir heute hier stehen, dann tun wir das in einem besonderen Jahr.

Vor 625 Jahren gestattete König Ruprecht dem Mainzer Kurfürsten, Erzbischof Johann II, Wilmundsheim (so hieß Alzenau bis ins 15. Jahrhundert) mit Stadt- und Marktrechten zu beleihen. Es war ein wichtiger Mosaikstein im Rahmen der kurzmainzerischen Territorialpolitik am Untermain und diente der Entwicklung unserer Burg Alzenau als sichtbarer Pfeiler dieser Politik. Die Stadterhebungsurkunde ist datiert auf den 13. Mai 1401 und dort heißt es: „König Ruprecht erlaubt EB Johann von Mainz, dass dieser sein Dorf Willmundsheim unterhalb der Burg Alzenau zur Stadt erhebt und mit Mauer und Graben befestigt. Der neuen Stadt verleiht der König einen Jahrmarkt auf St. Bartholomäus – drei Tage während – und ein Wochenmarkt auf jedem Mittwoch“. Damit wurde Wilmundsheim zur Stadt.

Doch im Mittelalter kam es, ob durch kriegerische Verwicklungen oder vermutlich eher durch Seuchen, zu einem derart dramatischen Bevölkerungsverlust, dass der Ort als wüst bezeichnet wurde und die Stadtfunktion unterging, da niemand mehr da war.

Aber das änderte sich wieder im Laufe der Zeit. Waren es 1786 im Hauptort Alzenau 423 Einwohner und in der heutigen Stadt Alzenau 2.057 Einwohner, so wuchs die Einwohnerzahl bis 1950 auf 4.117 im Hauptort und 10.368 im Stadtgebiet an. Zum Vergleich: Heute zählen wir 7.403 Einwohner in der Kernstadt und 18.829 in der ganzen Stadt.

Dennoch war Alzenau ein anderer Ort und nicht so wie wir es heute kennen.

Sechs selbstständige Gemeinden, alle selbstbewusst, geprägt von Landwirtschaft, Handwerk und industriellen Betrieben – und von Menschen, die nach den Schrecken des Krieges wieder Halt suchten und Perspektive. Und sie sahen eine Zukunft für ihre Stadt, auch wenn Alzenau 1951 nur Marktgemeinde war.

Und dieses Streben nach vorn - als prosperierende Kommune im Landkreis und im Rhein-Main-Gebiet - dürfen wir in diesem Jahr ganz besonders feiern. Anlass dazu bietet das Jubiläum, unter dessen Motto ich zum heutigen Neujahrsempfang eingeladen habe und das Linda Schmid mit viel Liebe zum Detail in der Gestaltung der Halle aufgegriffen hat: 75 Jahre neues Stadtrecht.

2001 haben wir großes Stadtjubiläum gefeiert - 600 Jahre Burg und Stadtrecht - und das Stadtfest wurde aus der Taufe gehoben.

Als der damalige bayerische Innenminister Dr. Wilhelm Hoegner die Urkunde am 23. Juli 1951 unterzeichnete, war das mehr als ein Verwaltungsakt. Es war ein demokratisches Versprechen, es war historische Anerkennung und ein Zeichen der Würdigung.

Das Recht, eine Stadt zu sein – das bedeutete damals wie heute:

  • das Recht, Selbstverwaltung besonders zu leben und im Namen zu tragen
  • das Recht, eigene Wege zu gehen
  • das Recht, Verantwortung über die Stadtgrenzen zu übernehmen
  • das Recht, Heimat aktiv zu gestalten

Diese Rechte waren 1951 nicht selbstverständlich. Sie waren ein Auftrag. Ein Auftrag an die Menschen, die hier lebten – und an alle, die nach ihnen kommen würden.

Und wenn wir uns heute fragen, was aus diesem Auftrag geworden ist, dann müssen wir nur in diese Halle schauen oder durch unsere Stadt laufen:
Alzenau ist eine Stadt, die ihre Rechte genutzt hat, die lebenswert ist, die gut dasteht und in der wir gut und gerne leben und zu Gast sind – und die ihre Zukunft immer wieder selbst gestaltet hat.

Doch wie kam es zur Verleihung der neuen Stadtrechte? Das ist in einem eigenen Kapitel in unserem Alzenauer Stadtbuch beschrieben. Autor des Artikels ist mein Vor-Vor-Gänger und Altbürgermeister Walter Scharwies, dem ich an dieser Stelle danken will, dass er nicht nur selbst bis heute ein so aktiver Heimatforscher ist, sondern dass er mit vielen weiteren Autorinnen und Autoren aus dem Heimat- und Geschichtsverein und darüber hinaus dieses kompakte Nachschlagewerk anlässlich des Jubiläums 2001 herausgebracht hat, was mir, aber sicherlich dem ein oder anderen von Ihnen ebenfalls als Nachschlagewerk dient. Vielen Dank dafür!

Auszug aus dem Alzenauer Stadtbuch, S. 21 ff.

23. Juli 1951: Der Marktgemeinde Alzenau wird die Bezeichnung „Stadt“ verliehen
Walter Scharwies

Am 16. Februar 1951 tagt im ehemaligen Rathaus (Ecke Hanauer Straße/Friedberger Gäßchen) der Marktgemeinderat Alzenau. Bürgermeister Michel Antoni und Geschäftsleitender Beamter Walter Ullrich unterbreiten dem Gremium einen Sachverhalt, der im Sitzungsprotokoll folgende Darstellung findet:

"Der Marktgemeinde Alzenau wurde vor 550 Jahren durch Kaiser Ruprecht das Stadtrecht verliehen, wovon allerdings bis heute kein Gebrauch gemacht worden ist. Im Hinblick auf die Eigenschaft als Kreisstadt und den städtischen Charakter der Marktgemeinde Alzenau wurde beschlossen, beim Staatsministerium des Innern einen Antrag auf Verleihung der Stadtbezeichnung in Vorlage zu bringen. (...)"

[...]

Mittlerweile schaltet sich die Marktgemeinde Alzenau ein und stellt fest in einem längerem Schriftsatz abschließend fest: "Es wäre für die Marktgemeinde Alzenau, die als Kreisstadt an der Bayrisch-Hessischen Grenze unentwegt aufwärts strebt und auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet nicht nur im Landkreis Alzenau (...) als führend gilt, eine gewisse Enttäuschung, wenn das Bayerische Staatsministerium ihren (...) Antrag wegen der im Augenblick noch nicht erreichten (...) Einwohnerzahl nicht hinreichend würdigen würde."

Am 23. Juli 1951 unterzeichnet der Bayerische Staatsminister des Innern (und stellvertretende Ministerpräsident) Dr. Wilhelm Hoegner die Stadterhebungsurkunde.

Im Anhang zu dieser Verfügung merkt das Innenministerium an: "Alzenau zählt gegenwärtig 4.200 Einwohner. In der Ministerialentschließung (...) ist zwar gesagt, dass für die Verleihung der Bezeichnung Stadt grundsätzlich nur Gemeinden mit mindestens 5.000 Einwohnern in Betracht kommen. Doch dürften gegen die Verleihung der Bezeichnung an Alzenau Bedenken nicht bestehen. (...) Das Landratsamt Alzenau und die Regierung von Unterfranken haben den Antrag der Gemeinde befürwortet. Die Verleihung der Bezeichnung Stadt erscheint gerechtfertigt."


Gelebte Rechte und Auftrag

Das Recht, sich zu entwickeln und kommunale Selbstverwaltung

Alzenau hat sich in den vergangenen Jahrzehnten beeindruckend entwickelt – wirtschaftlich, baulich, kulturell.

Bau der A45 mit drei Autobahnabfahrten, Ausweisung von Wohn- und Industriegebieten, Bau von Schulen, Bau von Hallen in fast allen Stadtteilen, bayerisches Mittelzentrum, leistungsfähige Kommune mit eigener Bauaufsicht, Gartenschaustadt 2015, Hochschul- und Wissenschaftsstandort mit dem Fraunhofer IWKS und dem Technologietransferzentrum für Nachhaltige Energien, Genussort, FairTrade Stadt, zertifizierte Fahrradfreundliche Kommune, beste Bibliothek des Jahres – um nur einiges des Erreichten, der Erfolge der letzten 75 Jahre zu nennen.

Und auch in 2025 kamen einige Entwicklungen wieder hinzu:

  • 14. Januar: Eröffnung des ersten smarten Hey Lager- und Garagenparks Deutschlands
  • 7. Februar: Spatenstich für den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau durch die GlasfaserPlus GmbH.
  • 30. April: Beginn des geförderten Glasfaserausbau durch die Telekom
  • 25. Mai: Einweihung der Leichtbauhalle der Feuerwehr Alzenau.
  • 29. Juni: Einweihung der Erweiterung des Feuerwehrhauses Michelbach-Kälberau
  • 7. Juli: Richtfest des neuen Wellpappe-Werks in der Industriestraße.
  • 18. September: Spatenstich für die Erweiterung des Firmensitzes von PSTproducts, weltführender Hersteller von EMPT-Maschinensystemen für die industrielle Massenfertigung von innovativen, geschweißten und gefügten Materialmischverbindungen
  • 11. November: Start der Konsolidierung aller Produktionsstätten von Excelitas Noblelight am Standort Alzenau mit ca. 350 Beschäftigten
  • 9. Dezember: Verkehrsfreigabe der Gunkelsrainstraße.

Und auch im medizinischen Bereich bzw. Handel und Gewerbe hat sich viel getan:

  • 1. Januar: Dr. Roxanne Böhlau übernimmt die HNO Praxis von Dr. Hans Gückel im Ärztehaus
  • 17. Mai: Neueröffnung des Kinderparty-Shops im Friedberger Gässchen
  • Mai: Neue orthopädische Sprechstunde im MVZ am Klinikstandort Alzenau startet und ist als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZmax) zertifiziert
  • 1. August: Start des neuen E-Roller-Sharing Angebot der Energieversorgung Alzenau und mikar Carsharing
  • 20. September: Eröffnung der Kreativwerkstatt Alzenau
  • Herbst: Restaurant Con Amore eröffnet in Wasserlos
  • 30. Dezember: Eröffnung des Fitnessstudios „feal fit“ in der Innenstadt

Alzenau bleibt ein starker Wirtschafts-, Handels- und Medizinstandort – innovativ, vielfältig, zukunftsorientiert.

Das Recht, sich zu engagieren, eigene Wege zu gehen, insbesondere durch bürgerschaftliches Engagement

2025 haben wir das wieder eindrucksvoll erlebt:

  • Die Fusion der Feuerwehren Michelbach und Kälberau zum 1. Juli zur Stärkung des Brand- und Katastrophenschutzes im nördlichen Stadtgebiet von Alzenau mit zukunftsfesten Weichenstellungen
  • Zahlreiche Vereinsjubiläen wurden begangen
  • Verleihung der Goldenen Kulturplaketten an Christoph Kruyer und Gottfried Kärner
  • Der Fränkische Weintourismuspreis 2025 ging auch an Alzenau mittels der Beteiligung am Tourismusprojekt Terroir f
  • Die Auszeichnung der „Lesekatze“ als Bayerns Buchhandlung des Jahres als landesweit sehr wahrnehmbaren Zeichen der hervorragenden Qualität im Service und Beratung als auch bei kulturellen Veranstaltungen und Lesungen, verbunden mit der besonders guten Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek, gemeinsamen Aktionen und Veranstaltungen. Zudem fällt diese Ehrung in eine Zeit, in der die Stadtbibliothek 2026 ihr 40 jähriges Jubiläum feiern wird.

Hinzu kommen natürlich die vielen Feste, Begegnungen und Momente, die uns verbinden.

All dies wird größtenteils mit viel Herz und Eifer von vielen Ehrenamtlichen, Trainern und Leitern in den über 180 Alzenauer Vereinen getragen. Ihnen und Euch allen, die heute für ihre Vereine anwesend sind, vergelt’s Gott und vielen Dank für euren Einsatz. Ihr schuft und schafft die Lebensqualität dieser Stadt und seid herausragende Beispiele gelebten Engagements.

Es freut mich daher, dass es auch immer wieder zu neuen Vereinsgründungen kommt. Das Inklusionssportzentrum Alzenau/Rhein-Main ragt hier im vergangenen Jahr besonders heraus. Inklusion sollten wir alle mehr im Alltag leben. Und das Inklusionssportzentrum macht das einfach und Sport zeigt uns, dass noch viel mehr möglich ist. Zuerst ging es los nur mit Fußball, doch im Laufe des Jahres kamen Boccia, Frisbee und Tanzen hinzu.
Inklusiv, d.h. egal welches Alter, welches Geschlecht, welche Besonderheit – das WIR gewinnt! Und wir als Stadt Alzenau gewinnen ebenfalls dadurch hinzu, da allen voran Sven Heinl gemeinsam mit seiner Frau Marlene sowie Familie Andres die Vereine und Menschen hier vor Ort beraten, qualifizieren und Workshops anbieten, um den inklusiven Gedanken noch mehr zu streuen.
Und was da möglich ist, zeigt auch die erste inklusive Sportwoche des Inklusionsteams der Stadt Alzenau, bei der sich fast alle Alzenauer Sportvereine mit Angeboten beteiligt haben und für die auch in diesem Jahr eine Wiederholung geplant ist. Und wenn alles gut geht, dann können wir alle in diesem Jahr bei den Alzenauer Gesundheitstagen an einem echten Inklusionslauf teilnehmen.

Und wo es Neugründungen gibt, da gibt es auch Vereinsjubiläen:

  • 30 Jahre:
    • People in Motion – Menschen in Bewegung Alzenau e.V.
  • 50 Jahre:
    • Sozialstation St. Paulus Alzenau e.V.
    • Wanderverein „Reuschbergler“ Hörstein
    • Yavuz Sultan Selim Han Moschee e.V.
    • Männerquartett 1976 Michelbach e.V.
  • 60 Jahre:
    • Angelsportverein 1966 Hörstein e.V.
    • Briefmarkensammlerverein e.V. Alzenau
    • Reit- und Fahrverein e.V.
    • Kneipp Verein Alzenau e.V.
  • 120 Jahre:
    • Kleintierzuchtverein Michelbach e.V. 1906
  • 125 Jahre:
    • Obst- und Gartenbauverein Alzenau e.V.
    • TV 1901 Michelbach e.V.
  • 150 Jahre:
    • Freiwillige Feuerwehr Hörstein mit Veranstaltungen im Januar, März und August

Ein weiteres Jubiläum, auf das wir uns im Jahr 2026 freuen dürfen, ist das 40 jährige Bestehen unserer Freundschaft mit der Partnerstadt Thaon les Vosges. Schon heute blicke ich mit großer Freude auf das Wiedersehen mit Cédric und auf viele Gäste aus Frankreich, die dieses besondere Ereignis im Juni mit uns feiern werden.

Aber nicht nur gemeinsam sind wir stark. Auch jeder Einzelne kann viel erreichen, uns motivieren, begeistern und Wegbereiter sein.

Und von daher möchte ich den heutigen Empfang nutzen, um nochmals zwei Menschen besonders zu Danken und zu würdigen, die im Jahr 2025 die höchste Anerkennung der Bundesrepublik Deutschland, nämlich die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, erhalten haben: Irene Treffert und Gerhard Jenemann.

Diese zwei engagierten Persönlichkeiten aus Alzenau wurden am 17. November 2025 im Ridingersaal des Schlosses Johannisburg in Aschaffenburg von Frau Staatsministerin Judith Gerlach, MdL, im Beisein von vielen Weggefährten und Familie mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Mit dieser hohen Auszeichnung würdigt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Menschen, die sich in herausragender Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Staatsministerin Gerlach betonte in ihrer Laudatio das langjährige und vielfältige Engagement der beiden Geehrten, das weit über das übliche Maß hinausgeht und ein Vorbild für gelebte Verantwortung und Bürgersinn darstellt.

Irene Treffert engagiert sich seit vielen Jahren in sozialen und kulturellen Bereichen, setzt sich für Menschen in schwierigen Lebenslagen ein und ist aus dem Ehrenamt in Alzenau nicht wegzudenken.

Durch sein jahrzehntelanges Wirken für die Musik und das Kulturleben seiner Heimatstadt Alzenau und der gesamten Region hat Gerhard Jenemann das gesellschaftliche Leben und das Miteinander in unserer Stadt maßgeblich mitgeprägt. Wir haben ihm außerdem 50 Jahre Fränkische Musiktage als künstlerischer Leiter zu verdanken.

Liebe Irene, lieber Gerhard, wir sind stolz, dass ihr beiden mit dieser bedeutenden Auszeichnung geehrt wurdet. Ihr Engagement ist ein starkes Zeichen für Zusammenhalt, Verantwortung und Menschlichkeit – Werte, die unsere Stadt tragen. Ihr habt entscheidend Alzenau mitgeprägt. Euch gebühren unser aller Dank und Anerkennung. Nochmals herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für Alles!

Das Recht, füreinander einzustehen und Verantwortung zu übernehmen

Alzenau ist eine Stadt, die zusammenhält, in guten wie in schweren Zeiten.

Auch das haben wir gesehen, erlebt und gespürt:

  • bei der Mahnwache vor dem Alzenauer Rathaus, bei der über 400 Menschen gemeinsam der Opfer der Messerattacke von Aschaffenburg gedachten
  • bei der Anteilnahme der beiden ermordeten Schwestern, die Opfer einer schrecklichen Gewalttat in Alzenau wurden
  • bei der Unterstützung unserer befreundeten ukrainischen Partnerstadt Kamjanka-Buska
  • bei der Solidarität mit Israel und der jüdischen Gemeinschaft durch aktive Erinnerungsarbeit
  • bei der Hilfe für Menschen in Not
  • bei den vielen Ehrenamtlichen, die täglich für andere da sind, wie z.B. Richard Künzel der seit vielen Jahren Deutschkurse für Geflüchtete in der Bibliothek anbietet oder Gisela Eichfelder, die für ihre Arbeit mit dem Weißen Engel ausgezeichnet wurde.

Das ist Alzenau. Das macht uns stark. Das ist Miteinander.

Gegenwart – Rechte brauchen Menschen, die sie ausfüllen

Stadtrechte sind nur Papier, wenn niemand sie nutzt. Demokratie ist kein Selbstläufer.
Zusammenhalt entsteht nicht durch Beschlüsse, sondern durch Begegnungen und es braucht Menschen, die die Stadt vorantreiben.

Und genau das machen wir in unserer Stadt:

Menschen, die Verantwortung übernehmen
Vereine, die Gemeinschaft schaffen
Ehrenamtliche, die helfen
Unternehmen, die investieren
Schulen und Kitas, die bilden
Verwaltung und Stadtrat, die gestalten

2025 war ein Jahr, in dem wir gespürt haben, wie wichtig dieses Miteinander ist und welches Fundament unsere Stadt trägt.

Ausblick – Die nächsten 75 Jahre beginnen heute

Doch wenn wir 75 Jahre Stadtrechte feiern, dann feiern wir nicht nur die Vergangenheit.
Wir feiern die Zukunft.

Und wir machen uns bewusst, welche Rechte wollen wir künftig besonders nutzen?

Das Recht auf soziale Gerechtigkeit und Bildung

In Alzenau wurden die Kindertagesstätten kontinuierlich erweitert und neu gebaut, um den steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen zu decken. Das Angebot reicht von der Krippe über den Kindergarten und die Mittagsbetreuung bis hin zum Hort. Dabei wurden auch zusätzliche Plätze für Kinder mit besonderem Förder- und Inklusionsbedarf geschaffen. Alzenau erfüllt den gesetzlichen Anspruch auf einen Kita-Platz bereits heute. Dank der Investitionen der vergangenen Jahre ist die Stadt auch gut auf den ab 2026 geltenden Rechtsanspruch vorbereitet. Die Öffnungszeiten der Einrichtungen orientieren sich an den Bedürfnissen der Familien und tragen dazu bei, Familie und Beruf gut miteinander zu vereinbaren. Alzenau ist Standort moderner Schulen aller Schularten. Alle Grundschulen sowie die Mittelschule sind mit digitalen Klassenzimmern ausgestattet und werden entsprechend pädagogischer Konzepte weiterentwickelt. Wichtige und zukunftsweisende Investitionen im Schulbereich wurden umgesetzt, darunter der Erweiterungsbau der Grundschule Michelbach.

  • Bedarfsgerechten Ausbau von Kindertagesstätten fortführen, weder Unter- noch Überkapazitäten erzeugen
  • Familiengerechte Beitragsgebühren für Kitas beibehalten
  • Umsetzung des Ganztagsanspruchs mit Schaffung weiterer Hortplätze mittels Ausbaus der Horte Michelbach und Hörstein
  • Neubau Hort Alzenau am Grundschulstandort Alzenau (z. B. in Realschul-Pavillons oder auf Wellpappe-Gelände)
  • Betreuungszeiten zur Vereinbarung von Beruf und Familie im Blick behalten
  • Sicherung eines attraktiven Bibliotheks- und Musikschulangebots

Das Recht auf Stadtentwicklung

Alzenau ist eine attraktive Stadt und die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen. Nicht nur Mitbürgerinnen und Mitbürger suchen bezahlbare Wohnungen und Grundstücke, sondern auch Menschen aus anderen Regionen möchten ihren Lebensschwerpunkt hierher verlagern. Dies ist auch durch unsere ideale Lage in der Metropolregion Rhein-Main bedingt. Obwohl in den letzten Jahren neue städtische Wohngrundstücke geschaffen werden konnten und Grundstücke bebaut wurden, hält der Wohnungsdruck an. Dies gilt insbesondere für Einzelhausgrundstücke und sozialen Wohnraum.

  • Entwicklung des Wellpappengeländes zu einem modernen Stadt- und Wohnquartier in Zusammenarbeit mit privaten und staatlichen Investoren
  • Schaffung neuer Baugrundstücke zur Vermarktung über das Einheimischenmodell im Zuge von Nachverdichtung und Arrondierung. Satzungsbeschluss Wohngebiet „Im Schild“ in Hörstein ist erfolgt, nun folgt die Erschließung und Ende des Jahres werden wir in die Vermarktung der Grundstücke einsteigen
  • Bauturbo ausnutzen, um weiteren Wohnraum zu schaffen
  • Sozialen Wohnungsbau über die städtische und landkreisweite Wohnungsbaugesellschaft fortführen

Das Recht auf Teilhabe

Unsere Gesellschaft wird vielfältiger und älter – das ist eine Chance und keine Gefahr. Ein gutes und sozial gerechtes Zusammenleben gelingt nur, wenn alle Menschen – unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht, finanzieller Möglichkeiten oder körperlichen Fähigkeiten – gleiche Chancen und Teilhabe erfahren. Wir wollen eine Stadt sein, die für Familienfreundlichkeit, Inklusion und Integration steht.

  • Schaffung von Wohnraum für Menschen mit Behinderungen und Pflegebedarf durch Umsetzung geplanter Projekte
  • Mehrgenerationenwohnen ermöglichen, Senioren-WGs unterstützen
  • Medizinische Versorgung weiterhin sichern und ausbauen
  • Sozialeinrichtungen auch in Zukunft unterstützen
  • Tagesförderplätze für erwachsene Menschen mit besonderen Bedürfnissen etablieren
  • Inklusive Arbeitsteams verstärkt einsetzen

Das Recht auf moderne Infrastruktur

Eine leistungsfähige Infrastruktur bietet Lebensqualität. Aktuelle und künftige Baumaßnahmen, vor allem im Bereich Straße, Kanal und städtische Hallen, sind wichtige und unerlässliche Maßnahmen, um die Infrastruktur unserer Stadt zu erhalten und zu optimieren.

  • Inbetriebnahme des neuen Faulturms der Kläranlage
  • Abschluss der Bauleitplanung für das Feuerwehrhaus Alzenau
  • Neubau des THW Alzenau
  • Sanierung weiterer Straßen
  • Glasfaser für alle
  • Digitalisierung der Verwaltung: Einführung DMS, Web-Relaunch mit Schwerpunkt Bürgerserviceportal

Das Recht auf nachhaltige Entwicklung

Alzenau ist eine „Stadt im Grünen“. Rund drei Viertel der Stadtfläche stehen als Landschaftsschutzgebiet oder als Kernzone des Naturparks Spessart unter besonderem Schutz, etwa die Hälfte des Stadtgebiets ist bewaldet. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für den Erhalt der vielfältigen Natur- und Kulturlandschaft. Die Stadt Alzenau engagiert sich daher seit vielen Jahren aktiv im Umwelt- und Klimaschutz. Bereits 1988 wurde als eine der ersten Kommunen in Bayern eine eigene Umweltabteilung eingerichtet. Seit 2011 werden zudem Maßnahmen aus den städtischen Klimaschutzkonzepten umgesetzt. Mit der Ansiedlung des Bayerischen Technologietransferzentrums für Nachhaltige Energien (NETZ) werden aktuell Vorbereitungen für Pilot- und Demonstrationsanlagen getroffen und Alzenau ist Mitglied im Team Energiewende Bayern.

  • Maßnahmen aus dem städtischen Klimaschutzkonzept in Zusammenarbeit mit dem NETZ und der EVA umsetzen
  • Zukunftsgerichtete Investitionen in die Waldaufforstung nach Wald- und Sturmschäden weiterführen - für einen Wald für kommende Generationen
  • Erneuerbare Energieprojekte mit größtmöglicher lokaler Wertschöpfung und Bürgerakzeptanz umsetzen, Positivbeispiel: Projektierung des Windparks Sülzert, Negativbeispiel: Kein Groß-Umspannwerk in Albstadt
  • Fortführung der Kommunalen Wärmeplanung

Und vieles mehr könnte genannt werden, welche Rechte und Themen Alzenau auch künftig beherzt angehen wird.

Oder, wie Abraham Lincoln sagte: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“

Abschluss

Alzenau hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Wir haben gemeinsam viel erreicht. Darauf dürfen wir stolz sein.

Doch wer Alzenau kennt, weiß: Wir ruhen uns nicht auf Erreichtem aus. Wir blicken weiter nach vorn. Wir wollen Gutes bewahren – und Neues mutig anpacken. Zukunft, das ist kein Ziel. Zukunft ist ein Weg, den wir miteinander gehen können für eine starke und stolze Stadt, auch wenn nicht immer alles einfach ist.

Aber als Bürgermeister bin ich mir sicher, dass wir diesen weiteren Weg mit Zusammenhalt, Verantwortungsbewusstsein und der gemeinsamen Arbeit vieler Menschen, die unsere Stadt lieben und gestalten wollen, weiter erfolgreich gehen werden.

Ich bin auf jeden Fall bereit dafür, diesen eingeschlagenen Weg des Miteinanders und des Gestaltens weiter gemeinsam mit Ihnen und mit Tatkraft, Motivation und Herz zu gehen.

Doch am Ende haben es die Bürgerinnen und Bürger von Alzenau in der Hand, wer ab dem 1. Mai weiter die Geschicke der Stadt Alzenau im Amt des Ersten Bürgermeisters und als Mitglied des Alzenauer Stadtrates verantworten und maßgeblich mitentscheiden darf. Ich bin überzeugt, dass die Parteien und Gruppierungen wieder viele Kandidatinnen und Kandidaten nominiert haben, die unterschiedliche Erfahrungen, Ansätze und Perspektiven in die kommende Wahlperiode einbringen werden um den erfolgreichen Weg Alzenau weiter gehen zu können.

Am 8. März sind alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt aufgerufen sich an der Bürgermeister- und Stadtratswahl zu beteiligen und als Landkreisbewohner auch an der Landrats- und Kreistagswahl teilzunehmen. Entscheiden Sie mit ihrer Stimme die Zukunft der Stadt und des Landkreises mit! Und an unsere hessischen Gäste gilt der gleiche Appel dies eine Woche später ebenfalls zu tun, wenn am 15. März in Hessen die Kommunalwahlen stattfinden. Denn Kommunalpolitik lebt vom Mitmachen, Mitentscheiden und dem gemeinsamen Auftrag für die lebendige Kommune vor Ort.

Und wer noch mehr für die Wahlen und Demokratie tun möchte, ist herzlich aufgerufen, sich noch als Wahlhelfer bei uns zu melden, da bei vier Wahlen einiges zu erledigen ist und wir auch ihr gemeinsam die Dienste abdecken können.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit ein großes Dankeschön an unsere Stadtgesellschaft aussprechen, dafür, dass sie sich alle für Alzenau einbringen und einsetzen. Vielen Dank für die Unterstützung, das Miteinander und den Austausch für die gute Sache.

Vielen Dank allen vor und hinter den Kulissen für das Gelingen des heutigen Empfangs. Vielen Dank für das Organisieren, Planen, Aufbauen, Dekorieren, Ausschenken und auch Abbauen für den heutigen Tag. Vielen Dank dem Ensemble Guitar Jazz´n Songs der VHS Kahl-Alzenau-Karlstein für die musikalische Umrahmung des Empfangs. Allen Beteiligten ein Vergelt’s Gott, vielen Dank und einen großen Applaus.

Wollen wir nun zusammen diesen Neujahrstag begehen, uns austauschen und gegenseitig auf das neue Jahr einstimmen.

Ich wünsche Ihnen und allen Alzenauerinnen und Alzenauern von Herzen ein erfolgreiches, gesundes, glückliches und friedliches Jahr 2026.

Wollen wir dieses Jahr uns eins besonders bewusst machen: Stadtrechte sind nicht nur ein Geschenk, sondern ein Auftrag. Seit 75 Jahren erfüllen wir ihn gemeinsam – und wir werden ihn auch in Zukunft gemeinsam gestalten.

Vielen Dank.